Gebrauchtwagenpreise 2026: Trendwende am Automarkt

Wer in den letzten Jahren einen Gebrauchtwagen gesucht hat, rieb sich oft verwundert die Augen. Die Preise kannten nur eine Richtung: nach oben. Auf dem Höhepunkt 2023 lag der durchschnittliche Gebrauchtwagenpreis in Deutschland laut AutoScout24 bei 29.358 Euro ein Wert, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Doch im Jahr 2026 erleben wir eine spürbare Veränderung. Die Marktdynamik hat sich gedreht und bietet für Käufer neue Chancen, erfordert aber auch eine genauere Analyse der Antriebsarten.
Der große Kontext: Wie wir hierhin gekommen sind
Der Preisschock der letzten Jahre hatte mehrere Ursachen. Die globale Halbleiterkrise 2021/2022 drosselte die Neuwagenproduktion drastisch, geopolitische Verwerfungen verteuerten Rohstoffe, und die Inflation ließ auch Produktionskosten steigen. Die Folge war ein Nachfragestau auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Heute, da sich diese Sonderfaktoren weitgehend aufgelöst haben, normalisiert sich der Markt, aber nicht gleichmäßig für alle Fahrzeugtypen.
Elektroautos unter Preisdruck
Der größte Preisverfall zeigt sich aktuell bei batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Mehrere Faktoren führen dazu, dass gebrauchte Stromer so günstig wie nie zuvor sind:
- Eine massive Schwemme an Leasingrückläufern aus den zulassungsstarken Vorjahren trifft auf den Markt. Da die Leasingverträge aus dem Boom-Jahr 2022 und 2023 typischerweise über 36 Monate liefen, kommen diese Fahrzeuge jetzt geballt zurück in den Handel.
- Die technologische Entwicklung bei Batterien macht schnelle Sprünge, was ältere Modelle technisch betagter wirken lässt. 2026 drängen Einstiegsstromer wie der Renault Twingo E-Tech (ab 19.990 €) oder der Kia EV2 (unter 30.000 €) mit alltagstauglichen Reichweiten in den Markt und definieren den Preis-Leistungs-Anker neu.
- Neue staatliche Förderprogramme für Neufahrzeuge drücken indirekt die Preise der Gebrauchten. Die ab 2026 wieder eingeführte Kaufprämie sieht eine Basisförderung von rund 3.000 Euro vor, mit Zuschlägen von bis zu 6.000 Euro für bestimmte Haushalte. Das macht Jahreswagen plötzlich deutlich weniger attraktiv.
- Die Unsicherheit über die langfristige Haltbarkeit der Akkus sorgt bei Käufern weiterhin für Zurückhaltung.
Was die Zahlen sagen: Laut Analysen der DAT und von Schwacke beläuft sich der Restwert dreijähriger Elektroautos aktuell durchschnittlich auf nur 50 bis 52 Prozent des ursprünglichen Listenpreises. Bei Modellen mit kleineren Batteriekapazitäten oder veralteter Ladetechnik sinken die Werte sogar unter die 40-Prozent-Marke. Zum Vergleich: Gleichaltrige Benziner und Diesel liegen stabil bei 61 bis 63 Prozent.
Ein psychologisch wichtiger Wendepunkt ist bereits erreicht: Einige gebrauchte Elektromodelle sind inzwischen günstiger als ihre direkten Verbrenner-Pendants. Knapp 70 Prozent der Autohändler nehmen derzeit keine Elektroautos mehr in Zahlung, weil rund 80 Prozent von ihnen beim Wiederverkauf Verluste verzeichnen.
Für wen ist das eine Chance? Für preisbewusste Käufer mit eigener Lademöglichkeit ist dies ein idealer Zeitpunkt. Wer ein verifiziertes Batteriegutachten (State of Health, kurz SoH) vorweisen kann, sichert sich zudem einen besseren Wiederverkaufswert. Experten erwarten, dass der Preisdruck im Laufe des Jahres 2026 seinen Höhepunkt erreichen wird und sich danach mit zunehmender Standardisierung von Batterietests und wachsendem Käufervertrauen langsam erholen dürfte.
Verbrenner bleiben die stabilen Anker
Im Gegensatz dazu zeigen sich klassische Benziner und Dieselmodelle erstaunlich wertstabil. Da die Neuzulassungen von Verbrennern politisch und regulatorisch immer stärker unter Druck geraten (das EU-Verbrennerverbot ab 2035 ist beschlossene Sache), sinkt das Angebot an jungen Gebrauchten in diesem Segment. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch, besonders in ländlichen Regionen oder bei Langstreckenfahrern.
Interessantes Detail aus der Statistik: Noch 2025 entschieden sich laut Kraftfahrt-Bundesamt 43 Prozent aller Neuwagenkäufer für einen reinen Verbrenner ein deutliches Zeichen dafür, dass die Nachfrage nach klassischen Antrieben keineswegs eingebrochen ist. Das führt dazu, dass gepflegte Modelle mit Euro 6 Abgasnorm kaum an Wert verlieren und teilweise sogar teurer gehandelt werden als vergleichbare Elektroautos.
Auf dem europäischen B2B-Gebrauchtwagenmarkt unterstreichen aktuelle Indexdaten der Auto1 Group diesen Trend: Im ersten Quartal 2025 stiegen die Transaktionspreise für Verbrenner um 2,7 Prozent, während Elektroauto-Preise nahezu stagnieren.
Hybride: Die stillen Gewinner
Eine Antriebsart, die dabei gerne übersehen wird, entwickelt sich zum heimlichen Star des Gebrauchtmarkts: Hybridfahrzeuge. Sowohl Mild- als auch Plug-in-Hybride verzeichneten laut Auto1 Group im Jahresvergleich einen Preiszuwachs von 1,3 Prozent, der stärkste Anstieg aller Antriebsarten. Als Brückentechnologie, die weder die Reichweitenangst des E-Autos noch die Förderunsicherheit mitbringt, erfreuen sie sich steigender Nachfrage und entsprechend stabiler Preise.
Die Bedeutung junger Gebrauchter
Der Markt für Fahrzeuge im Alter von ein bis drei Jahren bleibt angespannt. Da vor drei Jahren die Leasingabschlüsse aufgrund weltwirtschaftlicher Faktoren eingebrochen sind, fehlen diese Autos heute im Bestand der Händler. Dazu kommt ein struktureller Wandel: Immer mehr Fahrzeuge kommen aus sehr kurzen Leasingverträgen von nur 12 bis 24 Monaten auf den Markt jung, hochwertig und entsprechend teurer. Laut AutoScout24-Chef Stefan Schneck stabilisiert genau das das Preisniveau und verhindert eine Rückkehr zu den günstigen Vorpandemie-Preisen. Ein starker Preisverfall bei jungen Gebrauchten ist kurzfristig nicht in Sicht.
Der chinesische Faktor
Ein neuer Aspekt, der den Markt zunehmend beeinflusst: Chinesische Hersteller wie BYD, Ora oder Leapmotor drängen mit günstigen Elektromodellen auf den deutschen Markt. Mehr als 130 Elektromodelle sind 2026 auf dem deutschen Markt verfügbar. Dieser Wettbewerb drückt die Neuwagenpreise und damit mittelbar auch die Restwerte von Gebrauchten. Für Käufer ist das eine gute Nachricht, für Händler und Leasinggesellschaften eine neue Herausforderung bei der Kalkulation von Restwerten.
Was kostet mich ein E-Auto wirklich?
Wer nur auf den Kaufpreis schaut, verpasst das große Bild. Über die gesamte Nutzungsdauer rechnen sich Elektroautos oft besser als ihr Ruf:
- Wartungskosten E-Auto: ca. 300 € jährlich
- Wartungskosten Verbrenner: ca. 600 € jährlich
- THG-Prämie: bis zu 450 € pro Jahr für E-Auto-Halter
- Kfz-Steuer: Elektroautos sind laut Koalitionsvertrag bis 2035 befreit
Über fünf Jahre summiert sich das auf einen Kostenvorteil von mehreren tausend Euro, selbst wenn der Kaufpreis zunächst höher erscheint. Die entscheidende Frage ist daher nicht der Listenpreis, sondern die Total Cost of Ownership (TCO).
Fazit: Daten schlagen Bauchgefühl
Der Gebrauchtwagenmarkt 2026 ist zweigeteilt. Während Käufer von Elektroautos von sinkenden Preisen profitieren, müssen Liebhaber klassischer Antriebe weiterhin tief in die Tasche greifen. Hybride entwickeln sich still und leise zum wertstabilen Mittelweg. In dieser unübersichtlichen Lage ist eine datengestützte Wertermittlung unverzichtbar. KI-Tools helfen dabei, regionale Preisunterschiede und ausstattungsspezifische Aufschläge in Echtzeit zu bewerten. Wer heute kauft, sollte nicht nur auf den Anschaffungspreis schauen, sondern die künftigen Restwerte und Unterhaltskosten in die Entscheidung einbeziehen.
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